Michael Carter

Michael Carter

Als Michael Carter 2015 zum Tanztheater Wuppertal Pina Bausch kam, war er schon 35 Jahre alt. „In anderen Compagnien würde man dann seinen Abgang planen, aber hier war ich noch richtig jung“, sagt der 1980 in Sidney geborene Australier. Es sei sehr besonders, hier mit noch älteren Tänzern zusammen zu arbeiten, davon könne man nur profitieren. Eigentlich kommt er vom Ballett, hat in Melbourne an der Australian Ballet School studiert und danach drei Jahre am Australian Ballet in großen klassischen Balletten wie Schwanensee, Giselle und Romeo und Julia getanzt. Doch ihm fehlte die Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Tanz. In Adelaide trat er deshalb Leigh Warren & Dancers bei und tanzte dort für zwei Jahre. „Ich fühlte mich dort besser als in dem großen Australian Ballet.“
Doch Michael Carter trieb es weiter. In Adelaide begann er, eigene Kreationen zu entwerfen und für den Film zu arbeiten. „Ich wollte meine eigene Stimme finden“, sagt er. Dafür probierte er andere Genres aus. Um genügend Geld für Auditions in Europa zu verdienen, ging er wiederum ans Australian Ballet, bevor er nach Europa fuhr und sich in Madrid niederließ. Dort tanzte er fünf Jahre lang als Ensemblemitglied an der Compañía Nacional de Danza und trat in zahlreichen Werken von Nacho Duato auf. Da er in Spanien Kontakt zu Theater-Regisseuren und Schauspielern hatte, brachte er sich mit eigenen Kreationen in kleineren Theatern ein und gründete mit der Australierin Gala Moody Cie.OFEN, eine interdisziplinäre Plattform für freie Produktionen, die bis heute existiert. Obwohl er das Tanztheater von Pina Bausch nicht kannte, nahm er 2012 an einer Audition in Wuppertal teil – und war sofort fasziniert. Damals klappte es nicht mit einem Engagement. Erst als Lutz Förster die künstlerische Leitung übernahm, kam das Tanztheater auf Michael Carter zu und engagierte ihn 2015.
Seitdem hat er in Wuppertal und zahlreichen Gastspielen viele Rollen aus Pina Bauschs Repertoire übernommen, etwa in Viktor, Arien und Nelken. Daneben wirkte er in der Neuproduktion Seit sie von Dimitris Papaioannou mit. Er schätzt beim Tanztheater, dass jeder viel Verantwortung trägt. „Das, wofür Pina Bausch steht, wird durch das Ensemble weitergetragen“, sagt er. Auch wenn er die Choreographin nie kennengelernt habe, stehe sie für ihn für Ehrlichkeit und Radikalität. „Sie hat der Welt einen Spiegel vorgehalten“, das bewundere er – und würde diese Haltung gerne in seinen eigenen Stücken transportieren.

Tanzt in

★ - Besetzung der Uraufführung