Daphnis Kokkinos

Daphnis Kokkinos

ist 1965 auf Kreta als jüngster von sechs Brüdern geboren. Erste Bühnenerfahrungen sammelte er beim Jungen Theater Kreta. Da es auf der Insel damals kaum Möglichkeiten für die Tanz-Theater-Ausbildung gab, ging er nach dem Abitur nach Athen, um von 1983 bis 1987 dort Tanz an der Staatlichen Hochschule zu studieren. Schon während seines Studiums sah er Aufführungen des Tanztheater Wuppertal in Athen. „Ich hatte das Gefühl, ich gehöre dazu“, erinnert er sich heute. Er ging hinter die Bühne, küsste Pina Bausch auf die Wangen und bedankte sich bei ihr. Ab da war ihm klar, wo er hinwollte. Dafür nahm er einige Strapazen auf sich. Nach einem Engagement in Griechenland hörte er 1988 von einem Vortanzen in Wuppertal. Er setzte sich in den Zug und fuhr drei Tage lang durch Ex-Jugoslawien bis München. Das Abteil hatten die Passagiere von innen verschlossen, denn die Fahrt galt als unsicher. Von dort ging es weiter nach Wuppertal. In der Lichtburg begrüßte ihn Pina Bausch nach der Odyssee mit einer langen Umarmung.
Doch in Wuppertal war noch kein Platz für ihn frei, beim Folkwang Tanzstudio (FTS) schon. Dort war er dann von 1989 bis 1992 engagiert und tanzte in Stücken von Urs Dietrich, Susanne Linke und Mark Sieczkarek. Während dieser Zeit nahm er als Gast an Tourneen und Vorstellungen des Tanztheater Wuppertal teil. 1993 konnte er endlich ganz nach Wuppertal wechseln. Von 1993 bis 2009 tanzte Daphnis Kokkinos in jedem neuen Stück und übernahm Rollen aus älteren Stücken. 2002 fragte ihn Pina Bausch, ob er ihr nicht assistieren wolle. „Ich sollte meine Augen und Ohren offenhalten und alles sehr genau beobachten und aufschreiben“ erinnert sich Daphnis Kokkinos.
Für den Tänzer eröffnete sich durch die Assistenz ein neuer Bereich: Es sei eine „wunderschöne Zusammenarbeit“ gewesen. Er versuchte, jedes Detail in den Proben mitzuschreiben, so dass seine Hand bald wehtat. Wenn er Pina Bausch sagte, er könne nicht mehr schreiben, schlug sie vor, er solle es mit der linken Hand probieren. „Da habe ich gelernt, man muss nur im Kopf frei sein und eine andere Lösung finden.“
Mittlerweile übernimmt Daphnis Kokkinos die Probenleitung bei Wiederaufnahmen oder Neueinstudierungen (wie etwa Für die Kinder von gestern, heute und morgen in München) und ist selbst als Tanzpädagoge und Choreograph tätig; zuletzt unterrichtete er Schauspieler in Paris und Tanzschüler in Litauen. Im Herbst 2019 zeigte er im Rahmen von Underground ein Stück über Medea und Maria Callas im Skulpturenpark Waldfrieden, das auch in Griechenland aufgeführt wurde. „Pina Bausch hat so viel Liebe in die Welt gestreut. Ich bin so froh, dass ich dabei war und noch hier bin und helfe, ihr Werk zu erhalten und weiterzuentwickeln.“

★ - Besetzung der Uraufführung